Dienstag, 26. April 2011
„Ehrenamt ist Kitt der Gesellschaft“ - Europäischer Abend zum Jahr der Freiwilligentätigkeit

Als „Kitt der Gesellschaft“ bezeichnete Peter Heesen das Ehrenamt und betonte die große Bedeutung bürgerschaftlichen Engagements in Deutschland und Europa. Der Präsident des dbb beamtenbund und tarifunion eröffnete den 15. Europäischen Abend, der sich dem Europäischen Jahr der Freiwilligentätigkeit unter dem Titel „Miteinander für und in Europa“ widmete. Mehr als 250 Personen folgten der Einladung der Europa-Union, des dbb und der Vertretung der Europäischen Kommission in Deutschland ins dbb forum berlin. Zuvor erkundigten sich die Gäste auf einer Informationsbörse über die zahlreichen Möglichkeiten ehrenamtlichen Engagements, angefangen beim Deutschen Bundesjugendring über den Deutschen Olympischen Sportbund bis hin zur Bundesarbeitsgemeinschaft der Seniorenorganisationen.


Staatssekretär Dr. Hermann Kues aus dem Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend beschwor in seiner Rede eine neue Kultur der Freiwilligentätigkeit und begrüßte den neuen Bundesfreiwilligendienst, der offen für alle ist. Die Bürger müssten stärker zur Übernahme eines Ehrenamtes ermuntert werden, wobei der Staat aber nur die Rahmenbedingungen setzen könne. „Vater Staat“ sei eine Illusion, so Kues. Die Gesellschaft werde durch die Bürger gestaltet, der Staat müsse den Menschen aber dahingehend helfen, „dass sie so leben können, wie sie leben wollen“.


In der anschließenden von Prof. Dr. Eckart Stratenschulte moderierten Podiumsdiskussion machte sich die grüne Bundestagsabgeordnete Britta Haßelmann für eine Förderung des bürgerschaftlichen Engagements stark. Sozialstaat und Ehrenamt müssten sich ergänzen und dürften nicht gegeneinander ausgespielt werden. Diesem Grundverständnis pflichtete auch Prof. Dr. Thomas Olk bei. Der Vorsitzende des Sprecherrates des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement unterstrich die Bedeutung eines funktionierenden Sozialstaates für eine aktive Bürgergesellschaft.


Ob das Europäische Jahr der Freiwilligentätigkeit wirklich dazu geeignet ist, bürgerschaftliches Engagement nachhaltig zu befördern, bezweifelte Ursula Fehling vom Deutschen Bundesjugendring: „Europäische Jahre kommen und gehen, wir bearbeiten das Thema Freiwilligenarbeit kontinuierlich.“  Um die europäische Dimension von ehrenamtlichem Engagement zu fördern, sei länderübergreifender Jugendaustausch besonders geeignet. Dieser erweitere den Horizont und trage dazu bei, ein europäisches Gemeinschaftsgefühl zu entwickeln. In diesem Zusammenhang hob EUD-Präsidiumsmitglied Dr. Sylvia-Yvonne Kaufmann die Europäische Bürgerinitiative hervor, mit der ab April 2012 direkte Demokratie auf europäischer Ebene möglich wird. Eine Millionen EU-Bürger aus mindestens sieben Mitgliedstaaten können dann die Europäische Kommission dazu auffordern, von ihrem Gesetzesinitiativrecht Gebrauch zu machen. Für eine erfolgreiche Kampagne benötige man die Mithilfe von zahlreichen ehrenamtlich Engagierten.


Wie europäisches Ehrenamt konkret aussehen kann, berichtete Cathrin Schauer, Geschäftsführerin von KARO e.V. Der Verein engagiert sich seit 1994 gegen Zwangsprostitution, Menschenhandel und sexuelle Ausbeutung von Kindern, insbesondere im deutsch-tschechischen Grenzgebiet. Ziel von KARO ist es, Kindern, Jugendlichen und Frauen, die Gewalt erfahren haben, Schutz und Hilfe anzubieten. Schauer wünschte sich mehr Anerkennung von ehrenamtlichem Engagement und weniger bürokratische Hürden. Dieses Anliegen wurde auch von den anderen Podiumsteilnehmern geteilt.


In ihrem Schlusswort verwies Marie-Therese Duffy-Häusler von der EU-Kommissionsvertretung auf die große Abschlusskonferenz des Europäischen Jahres der Freiwilligentätigkeit (EJF) am 3. Dezember in Warschau. Vom 7. bis 10. Oktober wird eine europaweite Informationstour zum EJF auch in Berlin Halt machen.


Der nächste Europäische Abend findet am 16. November 2011 zur EU-Außen- und Sicherheitspolitik statt.


Weitere Meldungen aus den Bereichen:
Empfehlen Sie diesen Artikel weiter:
| bei weiteren Diensten