Mittwoch, 17. Januar 2018
“Heimat ist da, wo man sich zuhause fühlt und die Sprache spricht”
Mit solchen eindrücklichen Sätzen präsentierte sich Delio Miorandi, Ehrenvorsitzender der Europa-Union Groß-Gerau, beim ersten Café Europa in diesem Jahr den Teilnehmerinnen und Teilnehmern als glühender Europäer. Eingeladen hatte ihn die Europa-Union Berlin zu einer Lesung mit Diskussion über seine zwei geschriebenen Romane und seine langjährige Erfahrung als Sozialarbeiter für die Caritas. Miorandi selbst kam als Student nach Deutschland und widmet sich seitdem der Betreuung seiner italienischen Landsleute in prekären Lebensumständen, die damals als Gastarbeiter nach Deutschland kamen, und der (europäischen) Integration.

Gespannt lauschten die Gäste inklusive des italienischen Botschafters Pietro Benassi im Kaminzimmer des Literaturhauses Berlin Carl Langkammers Stimme, der als Co-Autor drei Auszüge aus dem Roman „Antonio – Vom Eselspfad ins Wirtschaftswunder“ vorlas. Der deutsche Bürgerpreisträger Miorandi führte ein Tagebuch über seine Erlebnisse und mit seinem Co-Autor erzählt er in den Romanen die Geschichte der italienischen Zuwanderer anhand von menschlichen Schicksalen erzählt. Diese Bücher handeln von seelischen Bedrängnissen, von Menschen zwischen zwei Heimaten, von zurückgelassenen Familien und sterbenden Dörfern in Italiens ärmsten Regionen, von Ausbeutung und Not. Aber auch Aufbruch und von Halt und Hilfe durch Kirchen und Gewerkschaften.

In der Diskussion berichten die älteren Gäste als Zeitzeugen über die Zeit der 60er und 70er und ihre Erfahrungen und Eindrücke. Erschreckend ist es, dass viele der geschilderten Ereignisse im Bereich der Migration sich auch heute wiederfinden lassen – nur mit anderen Betroffenen. Fazit für alle ist, dass dies aufzuhalten und ein Grund mehr ist, sich für die Vielfalt Europas und die weitere Integration der EU sowie für mehr Völkerverständigung einzusetzen – nicht nur als Europa-Unionsmitglied, sondern als Mitmensch und EU-Bürger*in. Denn Heimat ist da, wo man sich wohlfühlt und man die Sprache spricht, sagt Miorandi, der mit zwei Heimaten aufgewachsen ist und in dessen Stimme Begeisterung klingt, wenn er von seinen Begegnungen mit Erasmusstudenten erzählt, wie diese vor Leben sprühen und so den europäischen Gedanken weitertragen. Nur wenn man diese jungen Menschen miteinbezieht und ihren positiven Erfahrungen positive Taten folgen lässt, bleibt die EU unsere beste Lebensversicherung. 

 


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