Montag, 27. November 2017
Von Entwicklungsfonds, Marshallplänen und Migrationsinitiativen: Neue Impulse für die EU-Afrika-Partnerschaft?
Unmittelbar vor dem 5. Gipfeltreffen der Afrikanischen Union und der Europäischen Union in der Elfenbeinküste zur Zukunft der Beziehungen zwischen der EU und Afrika fand am Montagabend, dem 27.11.2017, unter dem Titel „Neue Impulse für die EU-Afrika-Partnerschaft“ eine vielsichtige Podiumsdiskussion in der Katholischen Akademie statt.

Foto: Europa-Union Hamburg e. V.

Die vom Info-Point Europa und der Europa-Union Hamburg organisierte und von Frau Arlette-Louise Ndakoze moderierte Veranstaltung lockte rund 50 Teilnehmende. Bereichert wurde die Diskussion von den Gästen auf dem Podium: Dr. Stefan Oswald, Leiter der Unterabteilung 20, Subsahara-Afrika des Ministerialrates, Dr. Stefan Liebing, Vorsitzender des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft, Dr. Christian von Soest, Leiter des Forschungsschwerpunkts 2 „Frieden und Sicherheit“ des GIGA Institut für Afrika-Studien, Siaquiyah Davis, Pastor der Ev.-Luth.-Pauls-Kirchengemeinde zu Schenefeld sowie Irene Appiah, Mitglied und Fachsprecherin des African Consultitive Forums (Bildung) und Mitbegründerin des Vereins „Bildung ohne Grenzen e.V.“.

„Afrika ist nicht arm, Afrika wurde arm gemacht“ lautete die provozierende Einstiegsthese.

Man könne sich nicht immer auf den Nachwirkungen der Kolonialzeit ausruhen, so Frau Appiah. Außerdem sei Afrika nicht ausschließlich ein Kontinent der Armut, der Kriege und Katastrophen. Afrika bestehe genau, wie Europa, aus heterogenen Ländern mit verschiedenen Ethnien, Religionen und Kulturen - die 55 Länder des afrikanischen Kontinents solle man deshalb differenzierter betrachten.

Herr von Soest ergänzte, man solle Afrika auch als Wirtschaftspartner und Platz für Investitionen verstehen. Herr Liebing möchte Investitionen in Afrika für deutsche Unternehmen deshalb attraktiver gestalten. Derzeit seien Investitionen finanziell risikoreich und zeitlich aufwendig. Statt Gelder ausschließlich in die Entwicklungshilfe zu stecken, sollte ein Teil des Geldes in die Absicherung von in Afrika investierende Unternehmen fließen. Investitionen schüfen Jobs und diese bräuchte es in Afrika dringender als Entwicklungshilfe.

Obwohl die Erfolgsquote der Entwicklungshilfe laut Herrn Oswald in Afrika bei rund 85% liege, regte auch Herr Davis Investitionen als die sinnvollere Hilfe an. Es gelte der Jugend, die rund 50% der Bevölkerung ausmache, Zukunftsperspektiven zu schaffen, zum einen durch Bildung und zum anderen durch Jobs. Außerdem, so Frau Appiah, müssten Bildungssysteme in Afrika kontextangemessener werden und gegen die strukturelle Diskriminierung von Afrikanern vorgegangen werden.

Den „Marshallplan mit Afrika“, wie ihn Herr Oswald vorstellte, kritisierte Herr Davis. Bevor Geld in die afrikanischen Länder gegeben würde, müsste eine demokratische Infrastruktur geschaffen werden. Auch Herr Oswald sieht die Voraussetzung jedweder erfolgreicher Hilfe, in welcher Form auch immer, in einem politisch stabilen und vor allem friedlichen System. Um ein solches System zu etablieren bräuchte es einen funktionierenden Arbeitsmarkt, dessen Entstehen, so Herr Davis, durch den Import subventionierter, europäischer Produkte verhindert werde. Er appellierte an die Europäische Union,  diesen Protektionismus zu Gunsten Afrikas zu stoppen.

 

Mit diesem Aufruf endete die Diskussion. Frau Ndakoze bedankte sich bei den Podiumsgästen und dem interessierten Publikum.

Haben wir Ihr Interesse geweckt? Die ganze Podiumsdiskussion können Sie sich ganz entspannt von zu Hause aus ansehen. Entweder auf unserer Facebook-Seite: https://www.facebook.com/infopointeuropa/videos/1767793936572447/ oder auf unserem You Tube-Kanal: https://www.youtube.com/watch?v=5qg6Bxc95ck&t=79s


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