Europa besser kommunizieren – bloß wie? 19. Europäischer Abend

Wie Europapolitik und EU-Themen besser kommuniziert und vermittelt werden können, darüber diskutierten Politiker, Journalisten und Vertreter der Zivilgesellschaft beim 19. Europäischen Abend vor rund 300 Gästen Anfang Dezember in Berlin. Verschiedene Einsichten und Ideen präsentierten dbb Bundesvorsitzender Klaus Dauderstädt, Spiegel-Redakteur Markus Feldenkirchen, ZDF-Moderatorin Julia Theres Held, der Bundestagsabgeordnete Günter Krings, der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger, die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth, UEF-Generalsekretär Christian Wenning und der Blogger Jon Worth.

dbb-Vorsitzender Dauderstädt hielt das Schlusswort beim 19. Europäischen Abend (Foto: Brenner/dbb)

Es mangele nicht an Informationen über die EU, erklärte der Abgeordnete und stellvertretende Vorsitzende der Europa-Union Parlamentariergruppe im Bundestag, Günter Krings, in seiner Eröffnungsrede. Es komme aber darauf an, die Bürgerinnen und Bürger auch gezielt zu erreichen. „Kommunikation heißt, Europa erklären und den Menschen näher bringen“, sagte Krings. Dafür sei eine gezielte Stärkung der Zivilgesellschaft besser geeignet als Hochglanzbroschüren über Europa.

Europa im Spiegel

Markus Feldenkirchen vom Spiegel zeigte sich in seiner Rede selbstkritisch. Journalisten seien nicht ganz unschuldig an der schlechten Wahrnehmung der EU. „Das fatale Denken, Europa sei weit weg, ist noch immer weit verbreitet und spiegelt sich auch in der Organisationsstruktur von Redaktionen wider“, sagte Feldenkirchen. Allerdings werde es den Medien auch nicht immer leicht gemacht, über die EU zu berichten. Zum einen fehle eine eindeutige Identifizierbarkeit europäischer Politik, was sich schon an der zweckmäßigen, aber lieblosen Gebäudearchitektur der EU-Institutionen in Brüssel zeige. Zum anderen fehlten Europa die Köpfe, weshalb die Absicht, bei den Europawahlen 2014 Spitzenkandidaten aufzustellen, in die richtige Richtung weise. Hart ging Feldenkirchen mit den Nostalgikern unter den Europafreunden zu Gericht, die noch immer die historische Gründungsidee als Hauptargument für die europäische Integration bemühen. Heute sei eine neue Begründung Europas gefragt, der alleinige Verweis auf die Verhinderung von Kriegen sei bei weitem nicht mehr ausreichend, um Begeisterung für Europa zu schaffen. Ein Blick auf heutige europäische Erwerbsbiografien oder Partnerschaften beweise, wie lebendig Europa ist.

Abseits der klassischen Massenmedien werde über Europa auch von Privatleuten munter gebloggt, gesendet und geschrieben, stellte der Europa-Aktivist Jon Worth heraus.  „Mit einem Internetanschluss und ein paar Ideen“ könne jeder Einzelne etwas bewegen, zeigte er sich überzeugt und empfahl dem Publikum, selbst aktiv zu werden. Bei Europäischen Bürgerinitiativen oder Online-Kampagnen könne sich jeder Interessierte mit geringem Aufwand einbringen.

Europa einfach kommunizieren

In der anschließenden von rbb-Redakteurin Sabine Porn moderierten Diskussion unterstützten die Podiumsgäste die Forderung nach einem neuen Narrativ für Europa. Die Kommunikation über Europa sei meistens zu technisch und kompliziert, bemängelte die frühere Bundestagspräsidentin Rita Süssmuth. Europapolitik müsse neu erzählt werden. Außerdem gebe es zu wenig positive Nachrichten über Europa, so Süssmuth. Mit dem Format „heute in Europa“ versuche das ZDF, europäische Geschichten für ein größeres Publikum in Deutschland aufzubereiten, erklärte Moderatorin Julia Theres Held. „Entscheidend ist, die Themen so zu erzählen, dass sich die Menschen unmittelbar davon betroffen fühlen.“

bpb-Präsident Thomas Krüger kritisierte die zumeist nationale Berichterstattung über europäische Themen. Eine gesamteuropäische Perspektive werde zu selten eingenommen. Zur Schaffung europäischer Öffentlichkeit brauche es Avantgarden und Multiplikatoren, erklärte Krüger. In diesem Zusammenhang komme der europäischen Zivilgesellschaft eine bedeutende Rolle zu, betonte der Generalsekretär der Europäischen Föderalisten, Christian Wenning. Diese sei auch der Kit bei der Herausbildung europäischer Identität. Mit bürgerschaftlichem Engagement könne ein europäisches Wir-Gefühl gestärkt werden.

Ausblick: Europa wählen

Beim Thema Europawahlen gingen die Meinungen der Panel-Teilnehmer auseinander. Wird es ausreichen, wenn sich die pro-europäischen Parteien geschlossen gegen die populistischen Kräfte stellen und einfach den Status quo bewahren wollen? Oder müssen die Parteien, welche weiterhin für die EU einstehen, neue und innovativere Konzepte für die europäische Integration entwickeln? Ob Populismus und Wahlmüdigkeit tatsächlich auf dem Vormarsch sind, wird Thema des 20. Europäischen Abends sein, der am 17. März 2014 in Berlin stattfinden wird.

Der Europäische Abend ist eine gemeinsame Veranstaltungsreihe der Europa-Union Deutschland und ihres Landesverbandes Berlin, des dbb beamtenbund & tarifunion sowie der Vertretung der Europäischen Kommission. Das Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement hat den 19. Europäischen Abend unterstützt. Medienpartner der Reihe ist EurActiv.de.

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