Neue Ära transatlantischer Beziehungen

„Wie wollen ein starkes, handlungsfähiges Europa als Partner“, so Stanley Otto, stellvertretender Leiter der politischen Abteilung der US-Botschaft. Der US-Diplomat war gemeinsam mit Karsten D. Voigt, Koordinator für deutsch-amerikanische Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt, Gast des Parlamentarischen Forums Europas Zukunft, das von der Parlamentariergruppe der Europa-Union Deutschland im Deutschen Bundestag und den Jungen Europäischen Föderalisten organisiert wird und diesmal der europäische Dimension der transatlantischen Beziehungen gewidmet war.

Neben den Brennpunkten klassischer Sicherheitspolitik wurde auch das Management der Finanzkrise aus beiden Perspektiven beleuchtet. Deutlich wurde, wie der Kurs der neuen US-Administration die transatlantische Zusammenarbeit auf eine neue, kooperative Grundlage stellen will. Gleichwohl wird dies auch mehr Forderungen an Europa mit sich bringen. Denn, so Otto: "Wir haben viel zu verlieren und viel zu gewinnen, deshalb müssen wir zusammenarbeiten." Amerika verfolge daher mit Interesse den Ratifikationsprozess zum Lissabon-Vertrag. Wäre er in Kraft, könnten die Europäer auch diplomatisch besser agieren.
 
Im Verlauf der Diskussion kristallisierte sich allerdings auch heraus, dass die Europäische Ebene (noch) wenig Relevanz bei vielen Themen besitzt. "Europa spielt in Fragen der Sicherheitspolitik nicht die entscheidende Rolle, aber eine Rolle - und das ist ein Fortschritt!" so Voigt auf die Frage der Gewichtung zwischen bilateralen Absprachen und der Rolle der EU in sicherheitspolitischen Fragen. Voigt erinnerte daran, dass die Gegner eines starken, geeinten Europas nunmehr weniger jenseits des Atlantiks zu finden seien, sondern eher in diversen europäischen Hauptstädten. Doch wer gute transatlantische Beziehungen wolle, muss auch ein starkes Europa wollen: Denn nur wer Gewicht hat, hat Einfluss bei der Lösung von Problemen.

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