Trotz Orbans Drohungen mit Haft für Organisatoren, 500€ Geldstrafe für Teilnehmer ging nicht allein die queere Community, sondern die breite Mitte der Bevölkerung auf die Straße. Die vielleicht größte Demonstration in Ungarn seit dem Fall des Eisernen Vorhangs ist ein riesiger Erfolg für gelebte europäische Grundwerte über Orbans autoritäre Attacken. Der Budapester Bürgermeister hatte das polizeiliche Verbot der Pride ausgetrickst, indem er die Veranstaltung “Budapester Stolz” im Namen der Stadt organisierte. Bürgermeister anderer Städte unterstützten den Budapester Kollegen. 70 Europaabgeordnete unter den Demonstrierenden vor Ort, das Video der Kommissionspräsidentin von der Leyen mit dem Aufruf an Viktor Orban, die Pride in Frieden zu lassen, waren ein europäisches Schutzschild für die freiheitsliebenden Ungarinnen und Ungarn zwischen dem Budapester Rathauspark und dem Gellertplatz, so dass es nicht zu befürchteten Attacken durch gewaltbereite rechtsradikale Orban-Sympathisanten kam. Dadurch ist die erfolgreiche Pride auch ein Symbol dafür, wie sich Europa schützend vor seine Bürgerinnen und Bürger stellt. Putin-Sympathisant Viktor Orban kam nicht damit durch, die Nutzung von EU-Grundrechten mit Hilfe chinesischer Gesichtserkennungssoftware unter Strafe zu stellen. Jetzt muss das offensichtlich illegale Gesetz, das die Versammlungs- und Meinungsfreiheit einschränkt, abgeschafft werden.
Die Demonstration ist Rückenwind für die pro-Europäische Opposition vor den Wahlen im April nächstes Jahr in Ungarn. In Meinungsumfragen ist der Vorsprung der Opposition größer als vor den letzten Wahlen. Viktor Orbans Abbau von Demokratie und Rechtsstaat schlagen inzwischen merklich auf die Wirtschaft durch. Ungarn ist nach Kaufkraftparität inzwischen das ärmste Land der EU, hinter Länder wie Rumänien und Bulgarien. Firmen aus dem EU-Ausland werden gezielt bedrängt. Während Krankenhäuser, Schulen und Infrastruktur verfallen, hat Orbans Schwiegersohn gerade das Marriott Hotel in Budapest seinen schon stolzen Besitztümern hinzufügen können. Es ist an den Ungarinnen und Ungarn zu entscheiden, ob sich Ungarn bei den nächsten Wahlen vom Rand wieder in die Mitte Europas bewegt.