Auch Gilbert Schuh, Präsident des Eurodistricts SaarMoselle und Bürgermeister der Gemeinde Morsbach, hätte an der Diskussion teilnehmen sollen. Doch kamen ihm die tagesaktuellen Entwicklungen in der Corona-Krise dazwischen. Die französische Regierung hatte noch am Morgen desselben Tages angekündigt, dass sie ab Anfang März ihre Einreisebestimmungen verschärft. Die Vorbereitungen zur Einrichtung eines deutsch-französischen Corona-Testzentrums für Grenzpendler durch den Eurodistrict SaarMoselle am Grenzübergang Goldene Bremm laufen seither auf Hochtouren.
Zunächst berichtete Christophe Arend, Forbacher Abgeordneter der französischen Nationalversammlung und Co-Vorsitzender der Deutsch-Französischen Parlamentarischen Versammlung, über die Bemühungen der deutsch-französischen Taskforce, die durch gemeinsame Strategien bei der Pandemiebekämpfung versucht, harte Grenzkontrollen zu verhindern.
Anschließend sprach er über den Fortschritt der ersten 15 deutsch-französischen Projekte aus dem Aachener Vertrag, die übrigens alle im europäischen Wiederaufbaufond Next Generation EU eingebracht werden sollen. Als funktionierende Beispiele hebt er den Ausschuss für grenzüberschreitende Zusammenarbeit und das deutsch-französische Zukunftswerk hervor.
Arend zeigt sich zufrieden mit der Bilanz der deutsch-französischen Kooperation der letzten Jahre, doch die aktuelle Coronakrise sei ein wahrer "Crashtest", bei dem viel auf dem Spiel stehe. Die großen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts: Energiewende, Digitalisierung, Verteidigung und Migration könnten beide Länder nur durch eine enge Zusammenarbeit bewältigen.
Geschäftsführerin des Eurodistricts SaarMoselle Céline Laforsch berichtet von aktuellen Schwierigkeiten beim Vorhaben zur Einrichtung einer deutsch-französischen Kita in Saarbrücken als eines der vielen Beispiele für grenzbedingte Hindernisse, die ihr europäischer Zweckverband zu beseitigen versucht. Für die Zukunft hofft sie auf mehr Kompetenzen und mehr finanzielle Mittel für den Eurodistrict. Projekte zur Entwicklung der grenzübergreifenden städtischen Region reichen von der grenzüberschreitenden Buslinie MS zwischen Saarbrücken und Hombourg-Haut, dem Bücherbus “Bi-Bus” zur Förderung von Zweisprachigkeit und interkultureller Kompetenz an Grundschulen über die touristische Aufwertung der Region durch Veranstaltungen wie “Warndt Weekend” oder durch eine Neugestaltung der Flussufer der Saar (“Das Blaue Band”) bis zur Förderung des Wirtschaftsstandortes durch eine Präsenz bei der Hannover Messe.
Christophe Arend betont als herausragende Errungenschaft des Eurodistricts die MOSAR-Kooperation zur grenzüberschreitenden Gesundheitsversorgung, die es Patient*innen aus Moselle ermöglicht, sich in saarländischen Kliniken im Bereich Kardiologie und Neurochirurgie behandeln zu lassen. “Diese Sache ist doppelt schön, sie hat die Überlebensrate nach einem Herzinfarkt auf 93 Prozent erhöht und hat die Basis dafür geschaffen, dass französische Covid-19-Patient*innen in Deutschland und dem übrigen Europa zur intensivmedizinischen Behandlung aufgenommen werden konnten”, lobt der Abgeordnete und Zahnmediziner Arend. Gegen Ende offenbart er mit großer Überzeugung auch seine Vision für die Region: zwischen Moselle und Saarland solle die erste grenzübergreifende Metropole gegründet werden. Beide Gäste sind sich einig, dass die deutsch-französische Kooperation trotz vieler “Stolpersteine” auf einem guten Weg sei, um das zu ermöglichen.