Europa-Union Münster ehrt die „Singende Revolution“

Stellvertretend für die baltischen Völker nahmen Anfang September im Festsaal des Regierungspräsidenten in Münster bedeutende Persönlichkeiten der „Singenden Revolution“ die Coudenhove-Kalergi-Plakette entgegen. So war aus Litauen Prof. Dr. Vytautas Landsbergis, das erste litauische Staatsoberhaupt nach Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1990, angereist. Für Lettland erhielt Dainis Ivans, Politiker und Journalist diese Auszeichnung und für das Volk Estlands Trivimi Velliste, ehemaliger Außenminister und UN-Botschafter. Neben diesen Ehrengästen wohnten die Botschafter dieser Staaten sowie mehr als 100 weitere Gäste aus dem In- und Ausland der Preisverleihung bei.

(v.l.n.r.) Prof. Dr. Vytautas Landsbergis, Dainis Ivans und Trivimi Velliste mit dem Vorsitzenden der Europa-Union NRW Wolfram Kuschke, dem stellv. Vorsitzenden der Europa-Union Münster, Werner Jostmeier MdL, sowie Rainer Wieland und weiteren Vorstandsmitglieder der Europa-Union Münster.

Anlass für diese Ehrung waren die Vorgänge in Estland, Lettland und Litauen in den 1980er Jahren. Um für die Unabhängigkeit der baltischen Staaten zu demonstrieren, bildeten die Bürger am 23. August 1989 mit rund zwei Millionen Menschen den „Baltischen Weg“, eine Menschenkette über eine Länge von 600 Kilometern, von Tallinn über Riga nach Vilnius und setzten damit in der Geschichte der europäischen Integration ein historisches Zeichen. Dem vorangegangen waren zahlreiche Kundgebungen bei denen ebenfalls Hymnen gesungen worden waren, welche die Sowjetmacht verboten hatte.

In seiner Laudatio schlug EUD-Präsident Rainer Wieland den Bogen zwischen der friedlichen Revolution von damals und den Herausforderungen der Europäischen Union heute unter lobender Anerkennung der gewaltfreien, freiheitsliebenden, geschichtsbewussten Veränderung Europas. Die Preisträger bedankten sich einmütig mit dem Hinweis, dass der Fall der Berliner Mauer ohne die vorangehenden Ereignisse in den baltischen Staaten nicht denkbar gewesen wäre. Sie wiesen aber auch in ungeahnt eindringlicher Mahnung zur Wachsamkeit gegenüber dem Russland der Gegenwart auf.

Die organisatorischen Herausforderungen, die eine Veranstaltung mit so hochrangigen diplomatischen Gästen mit sich bringt, meisterten die engagierten Mitglieder des Kreisverbandes Münster bravourös. So wurden nicht nur sämtliche Reise- und Transferwege der Würdenträger minutiös durchgeplant, sondern auch ein kleiner Empfang im historischen „Saal des Westfälischen Friedens“ und die Verständigung mittels Dolmetscher organisiert. Ermöglich wurde dies alles durch die Unterstützung zahlreicher finanzieller Förderer und nicht zuletzt durch die Kooperationsbereitschaft der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Die verliehene Auszeichnung ist nach (Graf) Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi benannt, einem Schriftsteller und Politiker, der 1923 die Vision des Staatenbundes „Vereinigte Staaten von Europa“ entwickelte und später die „Paneuropa-Union“ gründete. Er schlug die „Ode an die Freude“ als Europäische Hymne vor und wäre nicht zuletzt aus diesem Grunde auch von der Idee angetan gewesen, Vertreter der baltischen Völker für ihren friedlichen, singenden Weg in das geeinte Europa zu ehren.