Europa-Union suchte Europas Mitte

Mit jeder Erweiterung der Europäischen Staatengemeinschaft wanderte der geografi-sche Mittelpunkt der Landmassen, bis er schließlich 2004, von Belgien kommend, Deutschland erreichte – minutiös berechnet vom französischen Geografieinstitut IGN. Bei seiner letzten Wanderung mit dem Beitritt Kroatiens im Juli 2013 vom hes-sischen Gelnhausen ins bayrische Westerngrund gaben die Hessen nicht einfach kampflos auf, sondern einigten sich mit den Bayern auf die geniale Idee, dazwischen einen Wanderweg anzulegen. Auf dieser informativ gestalteten Strecke waren 42 Mitglieder und Gäste des Kreisverbandes Bonn-Rhein-Sieg der Europa-Union am 9. Juni unterwegs, unter ihnen neun Schüler und Schülerinnen der Europaschule Born-heim.

Ein Drittel legte die gesamten 13,5 Kilometer durch die Kulturlandschaft des Vor-spessart und des Kinzigtals zu Fuß zurück und wurde dafür am Wegesrand mit inte-ressanten Informationen über die 28 EU-Länder belohnt. Sogar Wandermöglichkei-ten quer durch Europa waren auf den Tafeln ausgewiesen. Lokalpolitiker begrüßten die Wanderer am Ausgangspunkt in Gelnhausen-Meerholz und am Ziel in Western-grund. Dort erläuterte Bürgermeisterin Heim auch die letzte Kapriole des Punktes am 1. Januar 2014: Die Bürger der Insel Mayotte im Indischen Ozean hatten sich in einer Abstimmung entschieden, zum französischen Mutterland und damit zu Europa zu gehören, worauf die Gemeinde Fahnen und Gedenksteine um 500 Meter versetzen musste. Dort wird der Punkt jetzt wohl einige Zeit bleiben, hoffen die Politikerin und Wanderführer Schornick von der Europaunion Aschaffenburg.

Eine zweite Gruppe schloss sich Stadtführerinnen an, die in historischen Kostümen Wissenswertes und Anekdotisches aus dem Mittelalter zum Besten gaben. Es ging durch die romantischen Barbarossastädte Schöllkrippen und Gelnhausen, am alten Königsweg Via Regia von Santiago de Compostella nach Moskau gelegen. Der Tag klang in einem bayrisch-fränkischen Brauhaus aus, und alle Teilnehmer waren sich einig: Es gibt noch viel mehr über unser vielseitiges Europa zu erfahren. Dazu bietet die Europa-Union wieder Gelegenheit am 22. September 2015, wenn die Reise zum Europäischen Gerichtshof in Luxemburg (mit öffentlicher Verhandlung) geht. Vor-standsmitglied Gisela Steinborn, die die Touren organisiert, wird Einzelheiten recht-zeitig bekannt geben.