"Als überparteiliche Europa-Union in Nordrhein-Westfalen setzen wir uns für das föderative und demokratisch-rechtsstaatliche Europa ein", so der Landesvorsitzende Staatsminister a. D. Wolfram Kuschke. "Die Benennung von Spitzenkandidaten für das Amt des Kommissionspräsidenten ist eine Errungenschaft, die nicht leichtfertig aufgegeben werden darf. Mit der Verknüpfung von parteipolitischer Ausrichtung und zukünftiger Kommissionspitze haben die Menschen in Europa tatsächlich die Wahl der zukünftigen politischen Richtung Europas." Auch im Namen des Landesvorstandes der Europa-Union NRW fordert er die Regierungsspitzen der Mitgliedstaaten auf, die Wahlentscheidung der Bürgerinnen und Bürger auch zukünftig zu respektieren.
Kirsten Eink, Landesgeschäftsführerin der Europa-Union NRW, sieht noch weitere Vorteile: "Die Benennung von Spitzenkandidaten hat der letzten Europawahl auch wortwörtlich mehr Gesicht gegeben." Für die Wählerinnen und Wähler sei eine politische Aussage greifbarer, wenn sich damit auch eine Person, ein Gesicht verbinden ließe. "Nicht zuletzt die TV-Duelle der Spitzenkandidaten haben auch zur Wahlmotivation beigetragen." Dass nach der Wahl dann kurzzeitig doch zu befürchten war, dass die Staats- und Regierungschefs in einer Hinterzimmer-Entscheidung einen anderen Anwärter für die Kommissionsspitze benennen, sieht sie als Mahnung. Die damalige Kampagne "Respect my vote", also der Aufruf der Bürgerinnen und Bürger Europas an die Staats- und Regierungschefs, das Ergebnis der Europawahl zu berücksichtigen, könnte bald schon wieder nötig sein.
Denn mit der Aufstellung von Spitzenkandidaten soll es schon bei der nächsten Wahl vorbei sein. Nach Berichterstattung der Süddeutschen Zeitung vom 28. April 2016 (http://www.sueddeutsche.de/politik/eu-parlament-mitgliedsstaaten-wollen-macht-der-waehler-beschraenken-1.2971462) wollen die Staats- und Regierungschefs sich das Heft nicht aus der Hand nehmen lassen. Schon bei der nächsten Europawahl im Jahr 2019 soll die verbindliche Aufstellung von Spitzenkandidaten verhindert werden. Die Jungen Europäischen Föderalisten (JEF) starten gemeinsam mit den Jugendorganisationen mehrerer Parteien Deutschlands die Kampagne #Spitzenkandidaten retten! zum diesjährigen Europatag, um diesen Rückschritt zu verhindern. (Hier geht es zur online-Kampagne:
europäischer-rat-merkel-steinmeier-schaffen-sie-die-europäischen-spitzenkandidaten-nicht-ab)
Auch das Magazin "Spiegel online" berichtet aktuell über den gemeinsamen Aufruf der Jugendorganisationen der Parteien mit der JEF Deutschland:
www.spiegel.de/politik/deutschland/europawahl-parteijugend-kaempft-fuer-eu-spitzenkandidaten.
Am 25. Mai 2014 wurden in Deutschland zuletzt Wahlen zum Europäischen Parlament durchgeführt. Viel Beachtung fand dabei erstmals die Klausel im Vertrag von Lissabon, nach welcher der Europäische Rat dem Europäischen Parlament einen Präsidenten der Europäischen Kommission unter Berücksichtung des Ergebnis der Wahlen zum Europäischen Parlament vorschlägt.
Die europäischen Parteienfamilien der im EU-Parlament vertretenen Parteien hatten deshalb Spitzenkandidaten aufgestellt, welche das Amt als Kommissionspräsident anstrebten. Bekanntlich wurde Jean-Claude Juncker Präsident der Kommission, da seine Parteienfamilie die meisten Stimmen auf sich vereinigen konnte. Aber auch die Vertreter anderer Parteien gaben ihm ihre Stimme um deutlich zu machen, dass es in der Entscheidungsgewalt des demokratisch gewählten EU-Parlamentes liegen soll, wer Europa an der Spitze der EU-Kommission vertritt.