Populismus in Europa: Diskussion mit EUD-Präsident Rainer Wieland an der Universität Münster

Wenn komplexe Sachverhalte grob vereinfacht, offenkundige Unwahrheiten als ‚alternative Fakten‘ präsentiert und fragwürdige Parolen gerufen werden, dann hat der Populismus Eingang in die politischen und gesellschaftlichen Debatten gefunden. Als Phänomen ist es nicht neu, dennoch rückt es zunehmend in die Mitte der Gesellschaft und bewegt ganz Europa. In der Uni Münster diskutierten hierüber am 3. Februar rund 140 Studierende und Gäste mit EUD-Präsident Rainer Wieland. Zu der Debatte „Versinkt Europa im Populismus?“ hatten die JEF Münster und die Hochschulgruppe „Visionen für Europa“ eingeladen.

 

v. l. n. r.: Johannes Keil (Visionen für Europa), Rainer Wieland (Präsident der Europa-Union Deutschland), Lena Heidemann (JEF Münster) und Teresa Stiens (Moderation). © Jannis Haendke, JEF Münster

Nach der Begrüßung durch Johannes Keil, Visionen für Europa, leitete Rainer Wieland, Vize-Präsident des Europäischen Parlaments, mit einem Impulsvortrag in die Thematik des wachsenden Rechts- sowie Linkspopulismus in Europa ein und schilderte Situationen aus der täglichen, parlamentarischen Arbeit in Brüssel und Straßburg. Er bemerkte mit Rückbezug auf den andauernden Krieg in Syrien, die ungelösten Probleme in (Nord-)Afrika und die erstarkenden populistischen Strömungen, dass Europa häufig zu lange weggeschaut habe. Er forderte, dass Politiker den europäischen Populisten mutig und entschlossen entgegentreten und diesen auf argumentativer Basis widersprechen müssten. Es läge allerdings ebenfalls an den Bürgerinnen und Bürgern, sich im Alltag gegen Pauschalisierungen zu wenden und Anfeindungen sowie Hetze abzuweisen.

Nach einer Meldung aus dem Publikum merkte der Diskutant an, dass die Grenze zwischen populistischen Äußerungen und überprüfbaren politischen Tatsachen fließend sei. Deshalb und in Anbetracht der vorliegenden, ungelösten Probleme müsse man auf dem europäischen Kontinent aber auch weltweit aufhören übereinander und anfangen miteinander zu reden und zuzuhören. Er betonte mehrmals, dass respektvoller Umgang untereinander unerlässlich sei, wenn man konstruktive Arbeit leisten und die richtige Handhabe mit den eigenen Regeln finden wolle.

Unter der Leitung von Moderatorin Teresa Stiens entwickelte sich eine angeregte Diskussion. Publikumsfragen lenkten die Auseinandersetzung zeitweise auch auf die Handelsabkommen CETA und TTIP, die Lage von Geflüchteten in verschiedenen Ländern, den neuen US-Präsidenten Trump und eine europäische Verteidigungsgemeinschaft.

Den vollständigen Veranstaltungsrückblick finden Sie auf der Seite der JEF-NRW.

Text: Lena Heidemann, JEF Münster