Gleich zu Beginn machte die stellvertretende Ministerpräsidentin Thüringens Heike Taubert in ihrer Begrüßungsrede deutlich, dass Europa das Engagement Ehrenamtlicher brauche. Europa müsse sich an den Bedürfnissen der Menschen orientieren.
Auf die Beziehung der Bürger zur Europäischen Idee hob auch der langjährige Brüsseler Korrespondent des ZDF, Udo van Kampen, in der Podiumsdiskussion mit den diesjährigen Trägern der Europa-Lilien und der Europa-Distel ab. Er stellte die Frage, wie man die Polarisierung zur Europäischen Union überwinden und wieder zum Dialog zurückkommen könne.
Frank Wittmann, Vorsitzender der Initiative Europa machte Schule e.V., die mit einer Europa-Lilie für ihr jugendpolitisches Engagement geehrt wurde, machte deutlich, dass sich die Arbeit des Vereins – trotz Facebook und Twitter – auf den echten analogen Dialog konzentriere. Beispiele aus den virtuellen schnelllebigen Medien zeigten, dass ein einzelner Tweet kaputt machen könne, was durch ehrenamtliches Engagement von Organisationen wie Europa macht Schule an der Basis aufgebaut wurde.
Oliver Moldenhauer, Geschäftsführer der Online-Kampagnenplattform WeMove.EU, die in der Kategorie bürgerschaftliches Engagement ausgezeichnet wurde, bekräftigte diese Aussage. Für ihn sei nicht nur wichtig, dass Themen, auch unpopuläre, einer breiten Öffentlichkeit verständlich zugänglich gemacht würden, sondern dass die Aussagen, die mit den 140 Zeichen verbreitet würden, auch stimmten. Daher sei für die Kampagnenplattform die Meinung von Fachleuten von hoher Bedeutung, die für die inhaltliche Arbeit mit einbezogen würden. Kontrafaktisch hingegen sieht er die Tweets der Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach die mit ihren Twitterbeiträgen oft Rechtspopulismus schüre und nicht das weltoffene Europa spiegle, für das er eintrete. Europa-Professionell bedachte diese Twitterbeiträge, die beispielhaft für eine Kommunikation stehen, die über europäische Grenzen hinweg Ängste schürt und zugleich an der Realität vorbeigeht, mit der Europa-Distel für den größten europapolitischen Fauxpas.
Katja Riedel, freie Journalistin aus Berlin, die stellvertretend für den Rechercheverbund von WDR, NDR und Süddeutscher Zeitung die Europa-Lilie für die herausragendste europapolitische Leistung entgegennahm, gab einen Einblick in die besonderen Herausforderungen des investigativen Journalismus. Um ein solches Projekt umsetzen zu können, erklärte sie, sei Verschwiegenheit und eine gute Vernetzung gefragt. Damit komplexe Sachverhalte wie die Steuerhinterziehungspraktiken von Konzernen, aufgedeckt werden könnten seien tiefgreifende Analysen notwendig, die oftmals einen langen Atem erforderten. Lob der Leser dafür sei im Journalismus sehr selten. Im Vordergrund des investigativen Journalismus stünde vielmehr, anhand konkreter Themen das Interesse für Europa bei den Bürgern zu wecken und sich kritisch damit auseinanderzusetzen. Die Finanzministerin des Freistaates Thüringen, Heike Taubert, griff in ihrer Laudatio den Gedanken der Gerechtigkeit auf, indem sie deutlich machte, dass Steuergerechtigkeit auch für Unternehmen gelte. Denn der ehrliche Steuerzahler bestimme das Gemeinwohl.
Die Co-Sprecherin von Europa-Professionell, Gabriela Schneider, brachte die kontrovers geführte Diskussion zu Europa auf den Punkt, indem sie an die Bürger selbst appellierte, sich nicht aus der eigenen Verantwortung zurückzuziehen, sondern sich gerade in schwierigen Zeiten in den Diskurs einzumischen und für ein besseres Europa einzutreten.
Die Ansätze, so unterschiedlich diese in der Frage der Kommunikationsmittel und der inhaltlichen Ausrichtung auch vertreten wurden, haben gezeigt, dass ein Europa ohne den Bürger nicht machbar ist. Denn ein wesentlicher Garant für ein geeintes, offenes Europa ist das breite Interesse und wache Engagement seiner Bürger selbst. Will man die Polarisierung des Diskurses zu Europa aufbrechen, kann man dieses nur über eine versachlichte Debatte erreichen – unabhängig davon, ob diese virtuell oder analog geführt wird. Viele Fragen zur Europäischen Union sind noch offen, unzulänglich beantwortet und neue Problemlagen treten hinzu. All diese zu beantworten – in einer zunehmend komplexer werdenden Welt, in der Europa nur einen Teil darstellt, – erfordert kluge und ausgewogene Antworten, die sowohl die Bürger mit einbeziehen als auch den weltweiten Anforderungen und Bedürfnissen gerecht werden.
Einzelne nationalstaatliche Ansätze, wie sie gegenwärtig als “Lösung“ propagiert werden, sind nicht die adäquate Antwort, um sich als ein weltoffenes und starkes Europa den Herausforderungen zu stellen. Gerade für andere Regionen in der Welt könnte ein solches Europa ein Beispiel friedlicher Koexistenz und des Zusammenhalts sein.
Weitergehende Informationen zu den Europapreisen von Europa-Professionell Sie hier.