Geoökonomisch hat diese Mercosur-Vertragsunterzeichnung, das Inkrafttreten hängt noch von Ratifizierungen im EU-Parlament und den Parlamenten der Unterzeichnerstaaten ab, weitgehende Bedeutung, weil es eine Stärkung Europas im globalen Verteilungskampf hervorbringen könnte.
Die positiven Kommentare der europäischen, insbesondere auch der deutschen, Industrie werden von massiven Protesten aus Landwirtschaft und Umweltverbänden relativiert, teilweise durch heftige öffentliche Demonstrationen. Begleiterscheinungen wie das Überstimmen großer Mitgliedsstaaten der EU (Frankreich, Polen) und der „Zustimmungskauf“ Italiens werfen zudem für die Zukunft der EU auch substanzielle Fragen auf!
Es sollen weitere Abkommen mit Indien, Indonesien und Australien in absehbarer Zeit nunmehr folgen. Unverkennbar: Europa versucht sich zwischen den „Goliaths“ USA und China ökonomisch in der 1. Liga zu halten, um nicht auch in wirtschaftlicher Hinsicht ins Hintertreffen zu gelangen.
Ein strategischer Aspekt, der in den interessengeleiteten Diskussionen kaum Erwähnung findet, sollte nicht übersehen werden: wenn derartige Abkommen dazu beitragen, das Wohlstandsgefälle zwischen Nord und Süd zumindest zu verringern, dürften auch Migrationsbewegungen davon betroffen sein. Von daher wäre es sehr wünschenswert, wenn auch der afrikanische Kontinent im Blick bliebe!