Nach dem transatlantischen Bruch

Europas Optionen 2026

Am 19. März 2026 veranstalteten wir den Online-Bürgerdialog mit dem Thema „Nach dem transatlantischen Bruch: Europas Optionen 2026“. Mit dem Bundestagsabgeordneten Dr. Anton Hofreiter (90/Grüne), sowie der Europaabgeordneten Dr. Marie-Agnes Strack-Zimmermann diskutierten über 126 Bürger*innen zu aktuellen Herausforderungen, denen Europa gegenübersteht. Damit eröffneten wir, unter Moderation von Axel Müller, ein spannendes Jahr mit einer Reihe von Bürgerdialogen zu aktuellen Themen, die Deutschland und die europäische Gemeinschaft beschäftigen. 

Aus der ersten Umfrage des Abends ging hervor, dass nach wie vor Einigkeit und Zusammenhalt in der Europäischen Union für eine Mehrheit der Teilnehmer*innen dringend erforderlich ist. Dieser Aussage stimmte auch Dr. Hofreiter zu. 

Sowohl Dr. Hofreiter als auch Dr. Strack-Zimmermann waren sich darüber einig, dass Europa, hinsichtlich aktueller Geschehnisse in den USA, zwar ihre Beziehungen mit den USA bewahren, aber gleichzeitig neue globale Partnerschaften aufbauen sollte. Dabei sollte es aber kein Widerspruch sein, sich unabhängiger zu machen. Dr. Strack-Zimmermann fügte hinzu, dass man neue wirtschaftliche Partnerschaften aufziehen könnte, wie man es bereits beim Mercosur-Abkommen gemacht habe. Gleichzeitig müsse man sich verteidigungstechnisch unabhängiger machen, dies würde aber seine Zeit brauchen. Um bereits bestehende Partnerschaften mit den USA zu bewahren, sei es für Strack-Zimmermann wichtig den Austausch mit Demokrat*innen aus den Vereinigten Staaten weiterhin beizubehalten. Während globale Beziehungen den beiden Redner*innen wichtig erschienen, sah man die oberste Priorität beim Ausbau europäischer Verteidigungsprojekte.

 

Trotz zahlreicher Fragen zu den verschiedensten Themen schien das Thema Verteidigungspolitik, insbesondere gemeinsam geführter europäischer Verteidigung, bei den Teilnehmer*innen am populärsten zu sein. In der offenen Diskussion war zu Anfang noch die Möglichkeit einer gemeinsamen Verteidigungsunion Thema. Dies erweise sich, laut Strack-Zimmermann, als schwierig, da sich einerseits Staaten wie Polen und Frankreich historisch mit der Vorstellung einer solchen Abhängigkeit schwertun. Anderseits gäbe es national auch bürokratische Hürden und gesellschaftlichen Gegenwind, die eine so enge Zusammenarbeit erschweren würde. Die Verteidigungsausschussvorsitzende im Europäischen Parlament sah die Stärkung der europäischen Verteidigungspolitik als Lösung, um global relevant zu bleiben und fügte hinzu: „Wer stark ist, sitzt auch mit am Tisch“.

Hofreiter setzte an diesem Punkt an und unterstrich, dass gerade die bürokratischen Hürden, wie das aktuelle Vetorecht, ein Weiterkommen in der Verteidigung verhindern und reformiert werden müssen. Zudem könne und solle man im Balkan und der Ukraine erweitern, um einen Zerfall vorzubeugen und Demokratie zu sichern. Jedoch erstmal mit eingeschränktem Vetorecht.

 

Die aktuelle Lage in den USA wurde zum Schluss erneut aufgegriffen. Dr. Hofreiter sieht antidemokratische und antieuropäische Akteure in den USA, die eng mit dem amerikanischen Präsidenten Donald Trump arbeiten, als mögliche Bedrohung für Europas globale Stellung und ihre Beziehung mit den USA.

Sehr stimmig plädierten Strack-Zimmermann und Hofreiter für einen stärkeren Zusammenhalt der EU, gemeinsame Verteidigungsprojekte und den Aufbau neuer globaler Partnerschaften. Dabei dürfe man jedoch nicht die Beziehung mit den USA vergessen, denn es sei kein gänzlicher Bruch in unseren transatlantischen Beziehungen, sondern ein tiefer Vertrauensbruch.

Falls Sie unseren Bürgerdialog zum transatlantischen Bruch verpasst haben sollten, können Sie die Diskussion in voller Länge auf unserem YouTube-Kanal nachschauen. Klicken Sie hier, um direkt zum Video zu gelangen!

Der Bürgerdialog wurde organisiert von der Europa-Union Deutschland e.V. und gefördert durch das Presse- und Informationsamt der Bundesregierung. 

Bericht: Darja Wilhelm